Über uns

Heim1_01Die Wiege unseres Turnvereins stand nicht in Neunkirchen, sondern im benachbarten Wiescheid. Dort haben am 22. November 1908 – also heute vor 90 Jahren – 24 Männer in der Gastwirtschaft des Herrn Wiemar Herchenbach die Gründung des Turnverein Germania Wiescheid beschlossen und Herrn Heinrich Honnef zum ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt.

Bereits 2 Wochen später – am 6. Dezember 1908 – wurde bei der ersten Hauptversammlung der Turnbetrieb geregelt und zwei Monate später wurden die ersten Turngeräte bestellt und zwar: ein Barren für 68 Mark und ein kpl. Reck für 78 Mark. Das Training fand in einer Gastwirtschaft statt und war manchmal etwas mühsam und die finanzielle Situation regelmäßig angespannt.

Für die Dauer des Ersten Weltkriegs macht die Chronik keine Angaben. Erst im Januar 1919 fand wieder eine Mitgliederversammlung statt, bei der der Vorsitzende Herr Johann Merten der Gefallenen gedachte. Mit den Übungsabenden konnte jedoch erst im August 1919 begonnen werden, weil bis dahin britische Truppen im Turnsaal einquartiert waren.


Zwei Jahre später, am 5.Juni 1921 erhielt der Verein seine Fahne mit der Inschrift: „Stähl die Sehnen, deutsche Jugend, bewahr‘ im Herzen Ehr‘ und Tugend“. Und immer wieder mußte der Verein mit finanziellen Problemen kämpfen. So sagt eine Niederschrift vom 9.September 1923:

„Die Einnahmen des letzten Festes wurden wegen der dauernden Geldentwertung wertbeständig in Weizen angelegt“. Der Kassenbestand betrug am Ende des besagten Jahres 210 kg Weizen und der Monatsbeitrag belief sich auf 500 Mark. In den folgende Jahren kämpfte der ‚Verein ständig ums Überleben, einerseits wegen Geldknappheit, andererseits wegen Mitgliederschwund, sei es durch Auswanderung nach Amerika, sei es durch nachlassendes Interesse.

Heim2In diese Zeit fiel auch die Verlegung des Turnlokals nach Neunkirchen in das Lokal von Wilhelm Oberhäuser und allmählich ging es mit der Mitgliederzahl wieder aufwärts. Auch die turnerischen Aktivitäten wurden umfangreicher und der Verein erfolgreicher. So konnten z.B. die Neunkirchener Turner 1933 beim Bezirksturnfest in Troisdorf und beim Gauturnfest in Siegburg den 1. Preis im Pyramidenbau erringen. Aber mit dem Herannahen des Zweiten Weltkriegs wurde die Situation wieder zunehmend schwieriger und 1939 beschloß man, für die Dauer des Krieges den Turnbetrieb einzustellen. Erst nach Ende des Krieges – er hatte große Lücken in die Schar der Turner gerissen – kamen auf Initiative von Karl Klein 32 junge Turner am 7. April 1946 zusammen und wählten den Turnveteran Josef Küpper von der Luttersmühle zum 1. Vorsitzenden. Es wurde wieder eifrig und regelmäßig geturnt und bei einer Versammlung am 7. Dezember 1946 beschlossen, den Verein umzubenennen zum Turnverein Neunkirchen.

1947 wird unter der Leitung unseres heutigen Ehrenmitglieds Werner Grinz eine leistungsfähige Schülerriege gegründet, aus der nach und nach die späteren Leistungsträger erwuchsen.

Ab 1953 führt Herr Dr. Franz Müller der Verein. 1958, im 50-sten Bestehensjahr wird der Turnbetrieb in den Saal Peters verlegt, aber die Forderung nach einer richtigen Turnhalle wurde lauter. Es sollte aber noch bis zum Jahr 1960 dauern, bis bei der „alten“ Grundschule eine Turnhalle eingeweiht werden konnte, die in- zwischen längst wieder abgerissen ist. Neben den Turnern beherbergt der Verein inzwischen auch Leichtathleten und die Zahl der Schülerinnen und Schüler ist in der Zeit von 1952 bis 1962 von 22 auf 130 gestiegen. In den 60-er Jahren entstanden auch 2 mitgliederstarke Kinderriegen.

Mit dem Beginn der 70er wurde aus dem Turnverein dem Wesen nach immer mehr ein „allgemeiner Sportverein“. Unter der Vereinsführung durch die Herren Dr. Heinrich Dresbach, Dieter Trommer und Rolf Reinartz Vorsitzenden entstanden in schneller Folge eine inzwischen bereits wieder aufgelöste Tischtennisabteilung, eine Fußball spielende Altherrenriege und mit der Eröffnung des Hallenbades eine Schwimmabteilung. Der Breitensport wurde um eine Ehepaar-, eine Senioren- und eine Wandergruppe erweitert.

Für die Ballsportbegeisterten entstand eine Basketball-, eine Badminton- und eine Baseballabteilung, die alle recht erfolgreich sind. Darüber hinaus wurden eine Tanzsportabteilung und eine Schachabteilung ins Leben gerufen sowie eine Abteilung zur Pflege des heimischen Brauchtums. Neben diesem ungewöhnlich breiten Fächer an Betätigungsfeldern bietet der Verein in der Gesundheitsfürsorge seit 10 Jahren eine Wirbelsäulengymnastik in Kursform an, die auch Nichtmitgliedern zugänglich ist. Mit der rasanten Erweiterung des Übungs- und Trainingsangebotes stieg natürlich auch die Mitgliederzahl auf inzwischen über 1100. Diese Entwicklung macht es erforderlich, moderne Führungs- und Managementformen anzuwenden und zeitgemäße technische Hilfsmittel einzusetzen. Dennoch muß es stets unsere Maxime bleiben, daß der Mensch und sein Wohlergehen den Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns ausmacht.

Roland Lesche, 22.11.1998, zur Eröffnung des Vereins- und Jugendheims